Der Hasenvuss

Über Schäden

Die Scheuche und ich führten mal wieder eine unserer üblichen Diskussionen über verschiedene Zucker- und Getreidesorten, noch vor dem Einschlafen gingen mir folgende Gedanken durch den Kopf:

Die drei Grundpfeiler des Veganismus sind für mich (ohne dass die Reinfolge eine Priorität widerspiegelt) die gesundheitliche, die ökologische und die ethische Motivation.

Gesundheitlich sind die Aussagen, dass raffinierter Zucker wie Saccharose schlechter ist als nicht raffinierte längere Zucker, genau wie Weizen ein schlechteres Getreide ist als Dinkel oder dass große Mengen an Salzkonsum schlecht sind, nur dann richtig, wenn wir sie auf uns beziehen. Wir evolvierten in einer Umgebung, in der wir bestimmte Stoffe in bestimmten Mengen vorfanden und sind genau dafür optimiert. Für eine Salzfliege, welche am Mono Lake in Kalifornien lebt, fängt ein gesundes Essen erst dann an, wenn es fast nur aus Salz besteht. Daher ist es zweifelsohne klar, dass, wenn wir Saccharose konzentrieren und in großen Mengen konsumieren, das nicht gut für uns sein kann, auch wenn dieser Zucker für sich genommen der Superstar unter den Zuckern ist. Dasselbe gilt für Weizen und andere Stoffe, die uns zwar schnell mit viel Energie versorgen, aber für deren reichhaltigen Konsum wir eben nicht gebaut sind. Ebenso sind wir nicht für den Konsum von tierischem Protein ausgelegt, und die gesundheitlichen Folgen von, beispielsweise, Casein sind durch die China Study und andere Studien reichlich belegt.

Wahrscheinlich haben unsere Vorfahren – wie auch Gorillas heute noch – ein wenig tierisches Protein versehentlich mit konsumiert, was die Daten von Dr. Campbell untermauert und erklärt, warum der krebsfördernde Effekt erst ab einem Anteil von 10 % des Proteinkonsums auftritt. Das soll jetzt wahrlich kein Aufruf zum gelegentlichen Caseinkonsum sein. Es erklärt nur, warum wir geringe Mengen vertragen, ohne davon krank zu werden. Gut ist es trotzdem nicht. Gesund und gut bedeutet eben nicht optimal und perfekt in einem abstrakten Sinne, sondern passend für das jeweilige Lebewesen.

Über die ökologische Motivation brauche ich nicht viel zu sagen. Alles außer Veganismus ist ökologischer Wahnsinn, Verschwendung und Raubbau.

Die ethische Motivation ist – wie so oft – kniffeliger und ich freue mich über jedes neue Video des Artgenossen immens, da es ihm gelingt, ethische Zusammenhänge in Form und Inhalt sauber darzustellen. Also keine Tiere essen, quälen oder ausbeuten ist schon mal klar, was aber ist mit den Kollateralschäden unserer Existenz? Nehmen wir eine normale Gruppe Elefanten, die durch die Savanne zieht. Natürlich zertrampeln sie eine Menge Ameisen, Termiten und Mistkäfer auf dem Weg. Ein komplexes Ökosystem hat diesen Kollateralschaden eingepreist, solange die Balance gewahrt bleibt. Soll heißen: Treibe ich Milliarden von Elefanten durch die Savanne, bleibt nicht mehr viel übrig, und das System gerät aus dem Gleichgewicht1. Genauso könnte auch ein plötzliches Fehlen der Elefanten einen negativen Effekt auf die Ameisen, Termiten und Mistkäferpopulationen haben, wenn auch nicht für jeden einzelnen von ihnen. Für mich bedeutet daher ein ethischer Veganismus, weder die durch mein Leben verursachten Schäden auf Null zu bringen (ist eh nicht möglich) noch diese zu ignorieren, sondern vielmehr nach dem schadensfreiesten und nachhaltigsten Weg zu suchen.


1Nicht, dass es so etwas wie ein Gleichgewicht gäbe, da es sich um oszillierende Systeme handelt, aber das Abrutschen des Eigenvektors komplexer Systems ins negative oder positive ist eine andere Geschichte.